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Asiatische Pestwurz Blatt grün Petasites japonicus

Gewöhnliche Pestwurz Blüte weiß Petasites hybridus

Beschreibung von Pestwurzen

Die Pestwurzen (Petasites) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Diese Heilpflanze wurde bereits in der Antike gegen Schmerzen und Krämpfe eingesetzt. Im Mittelalter glaubte man, der durch die ätherischen Öle verursachte, starke und unangenehme Geruch könne die Pest, die man als Person ansah, austreiben.

Beschreibung
Vegetative Merkmale
Bei den Pestwurz-Arten handelt es sich um meist sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von meist 10 bis 25 (selten bis zu 120) cm erreichen. Sie bilden Rhizome als Überdauerungsorgane. Die aufrechten Stängel sind nicht verzweigt. Die Stängel der „männlichen“ Pflanzen verwelken bald. Die Stängel der „weiblichen“ Pflanzen verlängern sich nach der Blütezeit bis zur Samenreife. Sie bilden grundständige, gestielte, große Laubblätter. Die Blätter einiger Arten werden bis zu 30 bis 60 (bis 100) cm breit und sind die breitesten der mitteleuropäischen Flora. Die grundständigen Laubblätter erscheinen meist nach den Blütenständen und sind gestielt. Ihre Blattspreiten besitzen einen glatten, gelappten oder gezähnten Rand. Die Oberseite der Blattspreite kann kahl bis etwas wollig behaart und die Unterseite ist wollig behaart. Die wechselständig verteilten Stängelblätter sind hochblattartig (es sind im Grunde vergrößerte Blattstiel, die manchmal am Ende Spreiten besitzen).

Generative Merkmale
Pestwurz-Arten sind zweihäusig oder einhäusig (Subdiözie). In schirmtraubigen, traubigen oder rispigen Gesamtblütenständen sind oft viele körbchenförmige Teilblütenstände zusammengefasst; selten stehen die Blütenkörbchen einzeln. Die kreis- bis diskusförmigen Blütenkörbchen enthalten nur Röhrenblüten. Die Körbchenhülle ist mit einem Durchmesser von 6 bis über 15 mm verkehrt-konisch bis kreiselförmig und vergrößert sich bis zur Fruchtreife. Die meist 12 bis 15 haltbaren Hüllblätter stehen in selten einer, meist zwei Reihen und sind oft purpurfarben, aufrecht, frei oder verwachsen, schmal-länglich bis lineal (ein- bis fünfnervig), fast gleich mit mehr oder weniger trockenhäutigen Rändern. Die Blütenstandsböden sind flach bis konvex und feingrubig. Es sind keine Spreublätter vorhanden. Die Blüten sind eingeschlechtig oder zwittrig. Die „männlichen“ Blütenkörbchen sind meist kreisförmig und besitzen außen 1 bis 20 (bis 70) ursprünglich weibliche, aber sterile oder neutrale Blüten und innen 11 bis 78 Blüten die meist funktional männlich, selten zwittrig und fertil. Die „weiblichen“ Blütenkörbchen sind auch meist kreisförmig und besitzen außen selten 1 bis, meist 30 bis über 130 Blüten, die rein weiblich und fertil sind, und innen 1 bis 12 funktional männlichen Blüten.

Die fünf weißlichen oder rosafarbenen, selten gelben Kronblätter sind zu einer dünnen Röhre verwachsen, die in linealen bis länglichen Kronzipfeln endet. Die linealischen bis gekeuten Griffel sind nicht oder in zwei Griffeläste geteilt, die kurz-konisch und papillös, manchmal lanzettlich bis länglich und mehr oder weniger kurz-steifhaarig sind.

Es werden schmal-zylindrische, schwach spindelförmige bis mehr oder weniger prismatische Achänen gebildet, die fünf- oder zehnrippig und meist kahl, selten zottig behaart sind. Der leicht abfallende oder fragile Pappus besteht aus 60 bis über 100 weißen, glatten oder bärtigen Borsten, die sich bis zur Fruchtreife vergrößern.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 30.

Verbreitung
Die Gesamtverbreitung auf der Nordhalbkugel umfasst das boreale Nordamerika, südwärts bis in die westlichen Kordilleren und Eurasien.

Verwendung
Archäologische Funde im ältesten Salzbergwerk der Welt, dem sogenannten Salzberg bei Hallstatt haben belegt, dass die Blätter vermutlich einer Pestwurz-Art in der Bronzezeit auch als Toilettenpapier verwendet wurden. Heute noch gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurz für die Pflanze.

Die in manchen Petasites-Arten enthaltenen Petasine (Sesquiterpen vom Eremophilan-Typ) sollen spasmolytisch wirken.

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