Archiveeinträge für Pflanzen-Gattungen: Aurinia

Felsen Steinkraut Blüte gelb - Aurinia saxatilis

Beschreibung von Aurinia

Albruna (lateinisch Albrinia, Aurinia) war eine germanische Seherin, die Anfang des 1. Jahrhunderts tätig war.Wolfgang Spickermann: Albruna. S. 442 Tacitus nennt sie einzig in der Germania.Tac. Germ. 8, 2. Augenscheinlich hatte sie während der Feldzüge des Drusus und Tiberius einiges Ansehen und erscheint deshalb im Bericht des Tacitus.Sabine Tausend: Germanische Seherinnen, S. 169f. Außer dem Namen ist zur Person nichts Weiteres bekannt. Die Funktion als Seherin ergibt sich aus der Etymologie des Namen und aus der quellenbedingten Vergesellschaftung mit der Seherin Veleda.

Der Name Albruna ist eine Konjektur des 19. Jahrhunderts aus der handschriftlichen Form Albrinia, die durch Wilhelm WackernagelWilhelm Wackernagel: Schweizerisches Museum für historische Wissenschaften I, 1839, S. 109 und Karl MüllenhoffKarl Müllenhoff: Zur Runenlehre, 1852, S. 51 ff. wissenschaftlich etabliert wurde. Albruna bedeutet „die mit Geheimwissen der Alben versehene“.Rudolf Much: Die Germania des Tacitus. 3. Auflage, S. 169f.Rudolf Simek: Lexikon der Germanischen Mythologie. 3. Auflage, S. 11. Die Konjektur Albruna wird heute als problematisch und wissenschaftlich nicht mehr überzeugend bewertet und die handschriftliche Form Aurinia vermehrt befürwortet.Ånders Hultgard: Seherinnen. S. 114.

Der Name Albruna–Aurinia

In den Handschriften der Germania variiert die gemeine lateinische Wiedergabe Aurinia in den wesentlichen Formen:Alf Önnerfors: De origine et situ Germanorum liber, Sigla codicum ; S. 7, Anmerk. 7. Zum Handschriftenkorpus: VII–XIHermann Reichert: Lexikon der altgermanischen Namen, Bd. 1 S. 34Franz Rolf Schröder: Quellenbuch zur Germanischen Religionsgeschichte, S. 133 Fussnote 1.

  • auriniam (Handschriften: B, b, C, E)
  • fluriniam (c)
  • albriniam (B, E am Rand; b, c über der Zeile)

Β Codex Vaticanus Lat. 1862
b Codex Leidensis Perizonianus
C Codex Vaticanus Lat. 1518
c Codex Neapolitanus IV C 21
Ε Codex Aesinas

Wackernagels Ansatz war, aus der glossierten Form Albrina(m)n die Situation aufzulösen und eine „germanische“ Namensform Albruna in den wissenschaftlichen Diskurs einzuführen, da die Endung -run geläufig bei germanischen Namen seiRobert Nedoma: Personennamen in südgermanischen Runeninschriften, S. 170 und das Geheimnisvolle, Magische betone. Verglichen wurde mit den althochdeutsch belegten Personennamen Al(b)run, Frithurun und der bei Jordanes (Getica) belegten gotischen Form haljoruna = zauberische Frau.Jordanes, Getica 24, 121 magas mulieres quas patrio sermone haliurunnas is ipse cognominat Jacob Grimm erschloss sich aus dem Problem der Formen Aurinia („Auriniam .. schwerlich Übertragung eines deutschen namens, wie etwa des altn. Gullveig; man mutmaßst auch Aliruna, Ölrun, Albruna“)Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Göttingen 1844. S. 85. und Albrinia in Verbindung mit den gotischen *Haljarūnōs („Aliorumnas“) eine vermittelnde Form der Aliruna, beziehungsweise im Plural Alirunas als Gattungsname für Priesterinnen und Seherinnen die Aliorunen.Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Göttingen 1844. S. 375 Müllenhoff betonte, dass mit dem Tragen des Namens eine Kraftübertragung in Bezug zur mantischen Funktion als Seherin verbunden sei. Grundsätzlich war sein Ansatz in der Textkritik begründet, die er im Kontext der zahlreichen verderbten Namen (Korruptel) in den überlieferten Handschriften des taciteischen Gesamtwerks bewertete – ein bis heute bestehender Umstand in der wissenschaftlichen Diskussion. Die nebeneinander stehenden Formen Aurinia und Albrinia der Germania-Haupthandschriften lassen, so Müllenhoff, aus Au- plausibel ein Alb- herstellen umgekehrt jedoch nicht.Karl Müllenhoff: Verderbte Namen bei Tacitus. In: Zeitschrift für deutsches Altertum, 9 (1853) S. 240 Aus der Form Albrinia der Handschriften b und c und den Handschriften B und E mit der Randnotierung wurde die Form Albruna dadurch gebildet, dass erstens angenommen wurde, hier liege eine der Urschrift nahe Abschrift vor, und zweitens, dass die graphematische Überlieferung der i-Punkte auf einem interpretatorischen Abschreibfehler beruhe.Hermann Reichert: Sprache und Namen der Wandalen in Afrika, S. 73.

In der Folge fand die Form Albruna Eingang in diverse Textausgaben und Übertragungen der Germania und wurde eine gebräuchliche Form im wissenschaftlichen Diskurs und Veröffentlichungen.Gottfried Schramm: Die germanische Seherin Aurinia bei Tacitus, S. 577f.

Sprachwissenschaftlich ist die Konjektur deshalb von Bedeutung, da diese Form den frühesten Beleg von -run als Glied eines (weiblichen) germanischen Personennamens darstellen würde. Eine weitere Bedeutung kommt der Form des Namenkomposits als ein Funktions- „sprechender Name“ bei.Hermann Reichert: Die Sprache der Wandalen in Afrika, S. 73.Rudolf Simek: Lexikon der Germanischen Mythologie. 3. Auflage, S. 11. Die Konjektur wurde nicht allgemein akzeptiert. Moritz Schönfeld bemängelte die Form Albruna mit ihrem germanisch lautenden Gepräge und verwies analog zur Etymologie von Veleda darauf hin, dass die Möglichkeit einer Entlehnung oder Beeinflussung aus dem Keltischen vorliegen kann. Schönfeld befürwortete das konservative Beibehalten des handschriftlichen Aurinia.Moritz Schönfeld: Wörterbuch der Altgermanischen Personen- und Völkernamen, S. 38. Aus der handschriftlichen Überlieferung heraus sprach sich Wilhelm Capelle ebenfalls gegen die Konjektur Wackernagels und deren unkritische Aufnahme aus. Im wissenschaftlich bedeutenden Germaniakommentar von Rudolf Much sprach sich dieserUnverändert in der 3. Auflage, 1967 durch Wolfgang Lange besorgt. für Albruna als eine gültige „unbedenkliche“ Form auf Grund der häufigen handschriftlichen Belege der Form Albrinia aus. Much bemängelte lediglich, dass bei der Konjektur Albruna der Fugenvokal, in diesem Fall ein „i” oder nach Much ein zu setzendes „o” zur Form Alb-o-runa nötig sei, um der Sprachstufe des Germanischen des 1. Jahrhunderts zu entsprechen.Rudolf Much: Die Germania des Tacitus, S. 169f.Gottfried Schramm: Die germanische Seherin Aurinia bei Tacitus, S. 578.

Roland Schuhmann stellt in seiner Untersuchung die Form Aurinia als die bestbelegte Form des handschriftlichen Befunds dar, und verweist darauf – ohne auf die Stemmabildung, das heisst die Überlieferung, die Lesarten und die Qualitäten der Germania-Handschriften insgesamt einzugehen–, dass moderne rezente Textausgaben (Alf Önnerfors und andere) diesen Umstand wieder vermehrt berücksichtigen.Roland Schuhmann: Aurinia und Veleda : zwei germanische Seherinnen?…, S. 133. Siehe auch: Anders Hultgård: Seherinnen, S. 114. Ihm folgend untersuchte die schwedische Philologin Lena Peterson nochmals die Handschriften der Germania und deren Überlieferungsgeschichte in Bezug zu den Formen Albrinia, Aurinia und kam zum Ergebnis, dass Aurinia die Form ist, die auf die Urschrift aller Handschriften der Germania im Codex Hersfeldensis zurückführt.Lena Peterson: ALBRUNA (Tacitus) – ett seglivat spöknamn, in: Venneskrift til G. Alhaug, edd. T. Bull – E. Mørck – T. Swan, Tromsø 2002, S. 148–152. Peterson verwarf die Konjektur Wackernagels als einen „Geisternamen“.Hermann Reichert: Sprache und Namen der Wandalen in Afrika, S. 73.Gottfried Schramm: Die germanische Seherin Aurinia bei Tacitus, S. 577f.

Im Kontext der Diskussion zur Lesung und Interpretation der voralthochdeutschen Runeninschrift der alemannischen Runenschnalle von Pforzen und den dort allgemein gelesenen weiblichen Personennamen aïlrun, las die niederländische Runologin Tineke Looijenga die Inschrift als *alrun und bezeichnet Albruna unsicher als mögliche Vorläuferversion.Tineke Looijenga: Runes Around the Northsea and on the Continent AD 150–700; Texts & Contexts. Groningen 1997. S. 147 Edith Marold liest den Namen als *al(lu)run und stellt das Erstglied Alu- im Vergleich zu germanisch *alb- (altnordisch alfr, mittelhochdeutsch alp) und Personennamenmaterial wie althochdeutsch Alu-pert. Marold sieht bei angenommener Richtigkeit ihrer Lesung eine mögliche „verlockende“ Verbindung zur Form Albruna und verweist auf MuchRudolf Much: Die Germania des Tacitus, S. 170, das besonders bei den Sueben und späteren Alemannen („Semnonen-Alemannen“) der Typus der Germanischen Seherin überliefert sei. Marold gebietet jedoch selber zur Vorschicht bei solchen weitreichenden Vermutungen.Edith Marold: Die Schnalle von Pfrozen und die altnordische Heldensage, S. 222f. besonders Fussnote 19

Zuletzt verwies Hermann Reichert im Kontext seiner Untersuchung zum inschriftlichen Namensgut der Vandalen auf die Inschrift Guiliaruna presbiterissa. aus dem 5. Jahrhundert aus Hippo Regius. GuiliarunaHermann Reichert: Sprache und Namen der Wandalen in Afrika, S. 73. „Das anlautende Gu- in Guiliaruna zeigt die typisch vulgärlateinisch-romanische Schreibung für W- aller germanischen Sprachen…“ war eine christliche Priesterin. Reichert geht davon aus, dass es „sich nicht um einen Personennamen im engeren Sinn handelt“ wie bei einem Geburtsnamen, sondern eher um einen Berufsnamen.Hermann Reichert: Altgermanische Personennamen als Quellen der Religionsgeschichte. In: Heinrich Beck, Detlev Ellmers, Kurt Schier (Hrsg.): Germanische Religionsgeschichte – Quellen und Quellenprobleme. De Gruyter, Berlin – New York 1992, ISBN 3-11-012872-1, S. 570 (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 5). Des Weiteren sieht er darin die Erscheinung, dass in erst kürzlich christianisierten germanischen Kulturen heidnische Vorstellungen nachwirkten. Er kommt zum Schluss, dass Albruna ein Konstrukt ist und als Konjektur deutlich herausgestellt sein muss, durch die reale Parallele der Guiliaruna jedoch den „Grad der Geisterhaftigkeit“, den Peterson feststellte, verliert.Hermann Reichert: Sprache und Namen der Wandalen in Afrika, S. 73.

Etymologien zu Aurinia

Gottfried Schramm deutet die Namen der Seherinnen bei Tacitus Tac. Germ. 8, 2 Veleda und Aurinia als germanischen Ursprungs. Für Aurinia setzt er germanisch *Aurini an zur Wurzel *auraz für „Wasser“ unter Vergleich zu altisländisch aurr für „Sand“ oder „Glanz“ an. Für die auslautende Endung -ia ein latinisiertes germanisches i das die Suffixbildung -ini plausibilisiert.Gottfried Schramm: Die germanische Seherin Aurinia bei Tacitus, S. 578, 581. Robert Nedoma weist diese Deutung Schramms als wenig überzeugend zurück, mit dem Hinweis auf den Schwachpunkt von Schramms Ausführung, das die Suffixbildung und somit die Konvergenz zum handschriftlichen Germaniabefund Aurinia bei Schramm „nichts bedeutet“.Robert Nedoma: Personennamen in südgermanischen Runeninschriften, S. 170

Roland Schuhmann lehnt gleichfalls Schramms Deutung Aurinia als genuin germanische Form ab. Er verweist analog auf die für ihn keltische Herkunft des Namens der Veleda und auf Nedomas Kritik an Schramm.Roland Schuhmann: Geographischer Raum und Lebensform der Germanen Kommentar zu Tacitus’ Germania, c. 1-20. S. 273 Schuhmann selber sieht in Aurinia eine keltisch-lateinische Mischform, bestehend aus dem ins Keltische entlehnten lateinischen Präfix aur- wie in aurum für „Gold“ und dem genuin keltischen Suffix -inios, -inia. Anhand keltischer Personennamen verweist er unter anderen auf eine männliche Form Auriniacus.Roland Schuhmann: Aurinia und Veleda: zwei germanische Seherinnen?…, S. 135f. Weitere Beispiele: Aura, Auritus, Aurac, Aedinius, Blandinia, Caldinius, Valisinius Aurinia habe die ursprüngliche Bedeutung „Goldine“.Roland Schuhmann: Aurinia und Veleda: zwei germanische Seherinnen?…, S. 136.

Ein älterer Versuch der Etymologisierung stammt nach Helmut Birkhan von Gilbert Trathnigg.Helmut Birkhan: Germanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit, S. 553, Anmerk. 1737 zu G. Trathnigg in: Germanien 12 (1940) S. 270f. Trathnigg, der Aurinia als die korrekte Form bezeichnet, verbindet den Namen mit altenglisch éar = Woge, See.

Siehe auch

  • Ganna
  • Waluburg
  • Gambara
  • Thiota
  • Völva

Quellen

  • P. Cornelius Tacitus: Libri qui supersunt Tom. II Fasc. 2. De origine et situ Germanorum liber. Alf Önnerfors (Bearbeiter und Herausgeber). B. G. Teubner, Stuttgart 1983. ISBN 3-519-01838-1
  • Cornelius Tacitus: Germania. Tusculum Studienausgabe Lateinisch – Deutsch, Alfons Städele (Hrsg.). Artemis & Winkler, Düsseldorf 1998. ISBN 3-7608-1353-4
  • P. Cornelius Tacitus: Germania. Lateinisch – Deutsch mit Kommentar, Eugen Fehrle, Richard Hünnerkopf (Hrsg.). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1959.
  • Rudolf Much, Wolfgang Lange, unter Mitarbeit durch Herbert Jankuhn und Hans Fromm: Die Germania des Tacitus. 3. Auflage. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1967.
  • Franz Rolf Schröder: Quellenbuch zur Germanischen Religionsgeschichte. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1933.
  • Georg Wissowa (Hrsg.): Taciti – Dialogus de oratibus et Germania. Suetonii de viris illustribus fragmentum. Codex Leidensis Perizoianus. Leiden, A. W. Sijthoff 1907. (Codex Leidensis Perizonianus XVm Q 21; Text und Faksimile der Handschrift)

Literatur

  • Helmut Birkhan: Germanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit, Böhlau, Wien 1970. ISBN 3-205-03653-0
  • Edith Marold: Die Schnalle von Pfrozen und die altnordische Heldensage. In: Verschränkung der Kulturen: der Sprach und
    ( Textquelle: Wikipedia)

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